Arbeitsgruppe apl. Prof. Thyssen

In der didaktischen Fachliteratur tauchen im Kontext der Planung von Unterricht Begriffe auf wie

  • Didaktische Reduktion
  • Didaktische Konstruktion (z.b. bei Spörhase-Eichmann)
  • Didaktische Rekonstruktion
  • Didaktische Transformation
  • Didaktische Analyse

Alle Begriffe versuchen den Planungsprozess bzw. dabei relevante Planungsfragen und -entscheidungen zu beschreiben. Die Definitionen und Interpretationen der Begriffe variieren von Autor zu Autor.

 

Didaktische Reduktion

Berck verwendet in seinem "Wörterbuch" (Biologiedidaktik von A bis Z) den Begriff "Elementarisierung" fast synonym. Er versteht unter didaktischer Reduktion die Vereinfachung wissenschaftlicher Aussagen, die Beschränkung auf das Wesentliche. Das umfasst vereinfachte Definitionen und Regeln sowie z.B. auch eine Beschränkung auf notwendige Fachbegriffe.

  • Sektorale oder quantitative didaktische Reduktion: bestimmte Inhalte des Themengebietes werden im zu planenden Unterricht nicht berücksichtigt (Abbildung eines Ausschnitts der Wirklichkeit z.B. durch Wahl von Beispielen)
  • Strukturelle oder qualitative didaktische Reduktion: die Sachstruktur eines Inhaltes wird vereinfacht (Verringerung der Komplexität, Verzicht auf Details)

Die Grenze der erlaubten Didaktischen Reduktion ist dann erreicht, wenn durch weitere Vereinfachung fachliche Fehler verursacht werden.

Diese vergleichsweise eingängige Unterteilung der Didaktischen Reduktion wird durch eine weitere Kategorisierung von "Didaktischer Reduktion" verkompliziert. Grünert unterscheidet zwischen "horizontaler didaktischer Reduktion" (Darstellungsreduktion, bei der es sich um vereinfachte Schreibweisen oder auch um das Verwenden von Metaphern und Analogien handelt) und "vertikaler didaktischer Reduktion" (Inhaltsreduktion, worunter er eine Ausschnittsbildung versteht, wobei dies durch Weglassen von Details oder Auswahl einzelner Beispiele erfolgen kann). Bei der horizontalen Reduktion wird nichts weggelassen (also eigentlich keine Reduktion!), weshalb sich die Aussage und damit der Gültigkeitsumfang nicht verändert, vielmehr wird die Aussage nur an einem einfacher zu verstehenden oder bekannten System vermittelt. Im Falle der vertikalen didaktischen Reduktion führt das Ausblenden von Bereichen der Wirklichkeit u.U. dazu, dass die anhand des Ausschnitts gewinnbaren Erkenntnisse nicht die ganze Wirklichkeit beschreiben, weshalb der Gültigkeitsumfang der gewonnenen Erkenntnisse reduziert ist und nur für den betrachteten Ausschnitt gilt.

Die beiden Kategorisierungen unterscheiden sich also hinsichtlich des betrachteten Aspekts: zum einen dem Inhaltsaspekt (Reduktion des Inhalts hinsichtlich Komplexität oder Menge) und zum anderen dem Aspekt tatsächlichen Aussagekraft des Erkenntnisgewinns (vorhandene oder nichtvorhandene Reduktion des Gültigkeitsumfangs) .

Da diese Definitionen für manche Autoren ein einfaches "Wegstreichen" (Reduktion) von Aspekten der wissenschaftlichen Tatsachen impliziert, ohne dass dabei eine weitere Aufbereitung oder Schwerpunktsetzung für den Unterricht erfolgt, wird häufig von "Didaktischer Konstruktion" gesprochen.

 

Didaktische Konstruktion:

Sie umfasst lt. Spörhase-Eichmann die Auswahl eines geeigneten Themenzugangs (z.B. Phänomen oder Vorwissen), didaktische Reduktion und Auswahl der Fachwissenschaftlichen Inhalte im relevanten Themenbereich sowie die Setzung von Schwerpunkten für den Unterricht. Somit umfasst die Didaktische Konstruktion explizit weit mehr als die Didaktische Reduktion. Als Richtschnur für die dabei zu treffenden Planungsentscheidungen dienen die Ergebnisse einer vorab durchgeführten Relevanzanalyse.

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